Tutorium: Selbstbau von Gitarreneffekten

Hallo liebe Musiker, speziell natürlich werte Gitarist(innen) und Bassist(innen). Gitarreneffekte, auch liebevoll Tretminen genannt sind zugegeben manchmal verdammt teuer. Oder der passende Sound ist mal längst gewesen und wird heute nicht mehr gebaut oder verkauft. Und bei Ebay & Co. irgendwelche als „Vintage“ ausgeschilderten Effekttreter haben eher Vintage-Lötstellen und ausgeleierte Buchsen als coolen Sound oder die Stromversorgen über den standardmäßigen 9V-Anschluss fehlt, oder ähnliches eben.

Was tun? Na, selber eins bauen. Nur was für Geeks und Nerds? Mitnichten. Jeder der einen Lötkolben halten kann ohne sich dabei zu verbrennen oder weiß was ein Metallbohrer und ein Schraubstock ist sollte dazu in der Lage sein. Was man von Anfang an braucht ist Geduld und ein wenig handwerkliches Geschick.

Dieses Tutorium hier soll zeigen, wie man sich aus einem Selbstbausatz ein fertiges Effektgerät bastelt. Diese sogenannten „Kits“ sind käuflich zu erwerben. Zum Beispiel kann man sich bei http://www.uk-electronic.de solch ein Kit bestellen und wenn man brav per Online-Banking Vorkasse gemacht hat, dann flattert in den kommenden Tagen ein Paket ins Haus, welches im ausgepackten  Zustand ungefähr so aussieht.

Einzelteile ausgepackt

Im Paket enthalten sind dann die elektrischen Bauelemente, Buchsen und Kabel, und wenn man den Hinweisen bei der Bestellung gefolgt ist auch ein unbehandeltes Alugehäuse, was man nach Lust und Laune entfremden kann. Weiterhin gibt’s eine Bauanleitung mit Bestückungsplan, Bauteileliste und reichlich Tipps für die Montage. Wozu dann noch das Tutorium? Sagen wir’s so. Die Anleitung setzt gewissermaßen voraus, dass man schon in etwa weiß was man da tut. Die kleinen Lücken dazwischen zu schließen und den Ablauf etwas zu strukturieren und zu dokumentieren soll ziel dieses Tutoriums sein. Die einzige Voraussetzung ist, dass man schon weiß welchen Effekt man gerne bauen möchte. Ich für meinen Teil wollte gerne einen Big Muff Pi haben und zwar die Triangle Version. Dazu gibst allerhand Schaltpläne im Netz, aber aus einem Schaltplan dann eine Platine zu fertigen und die richtigen Bauteile zu recherchieren und zu bestellen, die Schaltung auf Fehler zu testen und und und… darauf hatte ich zugegeben wenig Lust und da die Damen und Herren von UK-electronics das in gewisserweise auch so sehen, haben sie diese unglaublich guten Kits zusammengestellt. Man findet unter den Bauelementen eine fertig designte Leiterplatte von der (präzise Lötungen vorausgesetzt) man gut und gerne annehmen kann, dass Sie auch funktioniert.

So tat ich das auch und schob sie ersteinmal beiseite. Bevor die Platine bestückt werden kann, sollte man sich vergewissern, dass man die lustigen vielen kleinen  Bauteile  auch richtig zuordnen kann. Da wir als Menschen das herstellen sollen, sind alle Bauteile bedrahtet. Da heißt sie haben mehr oder weniger Metall-Beinchen die man kopfüber durch die Leiterplatte sticht und auf der Rückseite verlötet. Glücklicherweise sind die Teile noch mit bloßem Auge (oder mithilfe einer Lupe) unterscheidbar und haben meistens einen Formfaktor, der ein versehentliches Einatmen verhindert. Schraubt Euer Handy auf und überzeugt euch vom Gegenteil 🙂

Okay, es gilt die Teile zuzuordnen. Mithilfe des Bestückungsplans und der Bauteileliste kann man die meisten hinreichend gut voneinander Abgrenzen, das Ausschlussprinzip hilft hier oft weiter und wenn man darauf vertraut, dass die Damen und Herren, welche die Kits zusammengestellt haben auch zählen konnten, dann kann man sie auch anhand der Anzahl unterscheiden.

Schwierig wird es bei den elektrischen Widerständen. Auf denen sind keine Zahlen oder Buchstabenkombinationen zur Kennzeichnung — sondern farbige Ringe. Dieses Mysterium dekodiert man am Besten mihilfe der Farbcodetabelle auf http://www.elektronik-kompendium.de/sites/bau/1109051.htm. Gutes Licht und eine Lupe helfen hier die richten Farben abzulesen. Hat man alle Bauteile erfolgreich zugeordnet und evtl. beschriftet kann man mit der Bestückung beginnen. Dazu nimmt man zunächst alle flach anliegenden Bauteile wie Widerstände und Dioden, und arbeitet sich dann schrittweise zu höheren Bauteilen durch.

Widerstände und Dioden bestückt

Sind alle Bauteile einer Höhe eingesteckt kann die Lötung beginnen. Dazu sollte man einen Elektronik-Lötkolben mit dünner Spitze verwenden und die Temperatur so zwischen 350 und 370°C einstellen, insofern der Lötkolben das hergibt. Am besten fixiert man die eingesteckten Bauteile mit Malerkreppklebeband damit man die Platine ohne Sorgen auf den Rücken legen kann. Nun die Platine gut fixieren (Klebeband hiflt auch hier) und die Enden der Dräht bis auf zwei Millimeter über der Platinenoberfläche abzwicken. Nun mit dem Lötzinn und dem Kolben gemeinsam an die Lötstelle gehen und den Draht auf dem Lötpad (die kleinen vorverzinnten stellen auf der Platine) festlöten. Dabei sollte wie von selbst ein kleiner Löthügel entstehen. Nen Lötkurs gibts hier (http://www.mikrocontroller.net/articles/Löten).

Löten

Wirkt alles irgendwie zäh und klebrig dann stimmt womöglich die Temperatur nicht oder das im Lötzinn enthaltene Flussmittel ist verdampft. Etwas Flussmittel drauf und die Lötung sollte geschmeidig dahinfließen. Das Zinn wird sich bevorzugt an den vorverzinnten stellen und den Metallkontakten absetzen auf die grüne Lötstopp-Lackschicht mag es eigentlich nicht. Hier sollte man peinlichst genau arbeiten, um eine spätere Fehlersuche zu vermeiden. Und immer daran denken. Löten ist nicht „Kleben mit Metall“!!!!111elf. Die Metalle müssen sich verbinden. Mechanisch und elektrisch. Ruhig sachte am Bauteil rütteln, ob es eine feste Verbindung gegeben hat.

Löten erste Schicht

Nun nach und nach die höheren Bauteile einlöten und dann sollte das Ganze ungefähr so aussehen. Achtung, einigen Kondensatoren (den sogenannten Elektrolytkondensatoren) ist es nicht egal wierum sie eingebaut werden. Unbedingt auf die Polung (+/-) achten.

Bestücken fertig

Danach die Kabel abisolieren. Wer keine Abisolierzange sein Eigen nennen darf der behilft sich vorsichtig mit den Zähnen, aber nicht verschlucken. Bitte nicht zu stark zubeißen oder gar ein Messer nehmen. Wenn die einzelnen Kupferlitzen erstmal druchtrennt sind reißt das Käbelchen leicht ab. Sind die Kabel abisoliert, so verzinnt man sie sauber vor und knipst sie auf die richtige Länge. Vor dem Verzinnen sollte man die Enden leicht verdrillen, damit sie nicht so aussehen wie meine Zahnbürste nach zwei Monaten. Sind die Kabel verlötet sieht das Ganze so aus.

Kabel

Nun folgt ein schwieriger Teil. Man muss sich peinlichst genau überlegen wie man die ganzen Drehregler und Buchsen, die Platine die Batterie und den Fußschalter anordnen möchte. Am besten notiert man sich das Ganze auf einem maßstabsgerechten Blatt Papier und kennzeichnet die Wunschpositionen der Bohrungen fürs Gehäuse mit nem CD-Stift im innern des Gehäuses. Dazu sollte alles seinen Platz haben, ohne mit den anderen Bauelementen in elektrischen Kontakt zu kommen. Hier muss man auch bedenken, dass man die Batterie gelegentlich auswechseln muss und daher sollte es keine Zusammenstopf-und-Fertig-Lösung sein. Es sollte ein mehrfaches Öffnen und Schließen überleben und für die 9V-Batterie sollte sich auch ein gedämpftes Plätzchen finden, sodass diese beim Transport nicht durchs Gehäuse rumpelt.

Hat man alles gekennzeichnet watschelt man mit Buchsen Schaltern und Gehäuse zu Opa’s Werkbank in der Garage oder wie ich zu Mario und Torsten in die Werkstatt und lässt sich beim Bohren helfen. Stichworte sind hier Schraubstock und gute Metallbohrer. Besonders die Großen 12-13mm Löcher haben mir zu schaffen gemacht, wenn der größte Bohrer 10mm ist 🙂 Hat man diese Hürde dann auch noch genommen kommt der beste Teil. Die Endmontage.

Weiter

Hier heißt es Konzentration. Also noch mal schnell nen Kaffee gemacht und weiter geht’s. Ab jetzt sollte man den Bestückungsplan noch mal genauer betrachten, da man nun viele frei umherfliegende Kabel kreuz und quer durchs ganze Gehäuse verlegen muss. Systematisches Vorgehen mit abhaken hilft das Chaos zu bewältigen.

Endmontage

Hat man ein Multimeter zur Hand kann man wenigstens mal überprüfen, ob an den Batteriekontakten sich möglicherweise ein Kurzschluss eingeschlichen hat. Ansonsten: Batterie rein, zusammenbauen und ausprobieren. Bei mir hat es auf Anhieb funktioniert. Geht’s nicht oder nicht vollständig, muss man wohl oder übel den Plan komplett durchgehen, ob alle Kabel richtig verlötet sind und sich mit dem Multimeter auf Kurzschlusssuche begeben. Auch die Platine gründlich mit der Lupe absuchen ob sich irgendwo eine kalte Lötstelle befindet oder sich vom Kabelabzwicken ein Kupferspan über zwei Leitungen gelegt hat.

Funktioniert alles wie es soll, ist man glücklich, wenn nicht … hmmm… es wird schon alles funktionieren. Ich konnte mich bisher noch nicht entscheiden welche Knöpfe ich nehme, obwohl das nackte Metall auch irgendwie chic ist.

Fertig

Kubi

3 Gedanken zu „Tutorium: Selbstbau von Gitarreneffekten

  1. Hallo,
    ich habe das Bluelay von musikding gekauft. Die Bausätze, die ich davor hatte, hatten eine Anleitung mit einem Foto der Teilebestückung. Bei diesem hier gibt es die Platine, die Bauteile und ein Schema der Verschaltung. Ich fühle mich aber ausserstande, den Schaltplan auf die Platine zu „lesen“. Was kann ich tun?

  2. Hi Paul, ich hab das Distortion Kit Big Muff (Triangle Version) (Art.Nr. 130-067) bei UK-electronic (Link siehe oben). Welches Kit für den Anfang geeignet ist kann ich dir nicht beantworten. Wenn du schonmal ein wenig Elektronik gelötet hast ist das ein Kinderspiel. Naja, Unterschiede… puh.. also auf der Seite findest du zu jedem Selbstbau-Kit eine Anleitung als PDF. Da kannst du dann besser einschätzen, ob das was für dich ist und die verschiedenen Effekte vergleichen.

    lg kubi

  3. Ich habe was den Bau von Efeketen angeht leider nur sehr wenig ahnung,
    desshalb hab ich einige fragen :
    Welches Kit benutzt du imTotorium ?
    Welch Unterschiede giebt es zwischen den verschidenen Leiterplatten ?
    Welche Kits und Schaltungen sind für den Anfang geeignet ?
    schon einmal danke im vorraus.

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